Alkohol macht konservativ

Konservative finden den Status quo, so wie es ist, gut und wollen ungern an den Verhältnissen wackeln.

Wer nüchtern noch die Welt verändern wollte und linke Positionen befürwortete, wird mit jedem Promille konservativer. Das ist keine Stammtischparole, sondern ein wissenschaftliches Ergebnis. Scott Eidelman, Psychologe der University of Arkansas, und sein Kollege ließen 70 Kneipengänger in unterschiedlichen Graden der Trunkenheit ihre politischen Grundeinstellungen bekennen – und anschließend in einen Alkoholtester pusten. (Crandall CS, Eidelman S. 2007. The psychological advantage of the status quo. Presented at Annu. Meet. Int. Soc. Polit. Sci., 30th, Portland, OR).

Ihr ernüchterndes Ergebnis: Wenn mit steigendem Alkoholgehalt das Denken langsamer und anstrengender wird, findet man die Welt, wie sie ist, immer besser. Die Überzeugungen werden praktisch automatisch konservativer. Gefragt wurde nicht nach Vorliebe für eine konkrete Partei, sondern ob man bestimmten Positionen zustimmt wie „Wenn man versucht, Dinge zu ändern, wird es meistens schlimmer als vorher“. Rechte unterscheiden sich von Linken bekanntermaßen durch ein höheres Bedürfnis nach klaren, einfachen und sicheren Antworten („cognitive closure“). Rechte haben weniger Bedürfnis nach neuen Gedanken („Need for Cognition“), unabhängig von der Intelligenz.

Der Bonner Psychologe Rolf Degen interpretiert die Ergebnisse so: „Konservative akzeptieren den Status quo eher, weil das weniger Denken erfordert, keine Veränderung verlangt und ein gutes Gefühl erzeugt. Und das ist genau der Zustand, in den uns der Alkohol versetzt.“

Man kann sich also nicht nur die Umstehenden in der Kneipe, sondern auch die Umstände in der Gesellschaft schöntrinken.

Von Dr. Eckhart von Hirschhausen ( gekürzt )


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