
Stammbelegschaft halten!
07.03.2009
Der deutsche Mittelstand trotzt der aktuellen Wirtschaftskrise. Laut dem Konjunkturreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wollen die 3,5 Mio. kleinen und mittelgroßen Firmen mehrheitlich ihre Stammbelegschaft halten und zum Teil sogar noch aufbauen, etwa in der Pharma- und IT-Branche. “Der Mittelstand stabilisiert den Arbeitsmarkt”, sagt Dagmar Bollin-Flade, die Vorsitzende des DIHK-Mittelstandsausschusses. Hilfreich seien dabei vor allem die Erleichterungen bei der Kurzarbeit. Laut einer Sonderumfrage, die WELT ONLINE exklusiv vorliegt, planen 71 Prozent der Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern in den kommenden Monaten keinen Personalabbau. Dagegen sieht sich fast die Hälfte der Großunternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten dazu gezwungen, die Belegschaft zu verkleinern.
Die Zuversicht im Mittelstand bestätigt auch das Mittelstandsbarometer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, für das 3000 Unternehmen befragt wurden. Stattliche 86 Prozent der Teilnehmer erwarten, dass ihre Firma am Ende der Krise mindestens genauso stark sein wird wie zu Beginn. Ein Drittel sieht sich sogar als Gewinner der aktuellen Wirtschaftsflaute.
Denn die große Mehrheit der Unternehmer sieht den Standort Deutschland gut gerüstet für die Krise. Überdurchschnittlich optimistisch sind dabei vor allem die Bau- und Industrieunternehmen. “Wir haben in Deutschland ein Konjunkturproblem, kein Strukturproblem”, begründet Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. Die meisten Unternehmen seien grundsätzlich wettbewerbsfähig und sehr flexibel. “Daher können sie einen vorübergehenden Umsatzrückgang durchaus verkraften.” Man dürfe sich aber nichts vormachen. “Das Jahr 2009 wird extrem hart. Da gibt es einen brutalen Ausleseprozess”, prognostiziert Englisch.
Wenn das Tal der Tränen aber durchschritten ist, habe Deutschland alle Chancen, zu den Gewinnern der Krise zu gehören. Im Durchschnitt gehen die befragten Mittelständler davon aus, dass die Rezession knapp zwei Jahre dauern wird. Und derzeit stecken die Unternehmen mittendrin. “Kurzfristig ist der Exportweltmeister Deutschland besonders stark von dem weltweiten Nachfrageeinbruch getroffen”, erklärt Peter Englisch. Auch wenn die Zukunftserwartungen grundsätzlich positiv sind, die aktuelle Geschäftslage ist äußerst angespannt. Das zeigt auch der Einbruch der Auftragseingänge im deutschen Maschinenbau.
Info: Welt
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